Das Libet-Experiment oder Wer trifft die Entscheidung

Libet Experiment

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wissen/experiment-1-der-klassische-libet-versuch-zum-freien-willen-1356690.html

Der Physiologe Benjamin Libet führte Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts einige Experimente zur Untersuchung der willentlichen Handlungsentscheidung des Menschen durch. Libet wollte herausfinden, welchen zeitlichen Zusammenhang es zwischen der bewussten Wahrnehmung einer subjektiven Entscheidung und der dazugehörigen Nervenaktivität im Körper gibt. Dazu verwendete er ein EEG (zur Messung der Gehirnaktivität) und ein EMG (zur Messung der Muskelaktivität). Die Probanten waren aufgefordert ihre Hand zu einem frei wählbaren Zeitpunkt zu bewegen. Um den Zeitpunkt der bewussten Handlungsentscheidung zu definieren, blickten die Versuchsteilnehmer auf eine Art schnell ablaufende Uhr, auf der ein Lichtpunkt im Kreis lief. Die Probanten merkten sich nun, wo sich der Lichtpunkt befand, als der bewusste Drang die Hand zu heben einsetzte. Libet konnte während des Experiments zwei unterschiedliche Bewegungsmuster identifizieren, die geplante Bewegung (gelb) und die spontan, unbewusste Bewegung der Hand.

Das Ergebnis des Experiments war, dass die für die Handlung typische Nervenaktivität deutlich vor dem bewussten Drang, d.h. der bewussten Entscheidung, einsetzte. Der Versuchsaufbau war außerdem so gestaltet, dass man am Ende feststellen konnte, dass die empfundene Willensentscheidung, die Nervenaktivität nicht kausal verursachen konnte.

Die Ergebnisse von Libets Experiment wurden zu dieser Zeit Vielfach kritisiert, d.h. es wurden u.a. Mängel im Versuchsaufbau (Messungen) angeführt, die das Ergebnis entsprechend beeinflussen könnten.
Auch heute wird immer wieder über die Existenz eines freien Willens diskutiert. Daran sieht man, dass die Ergebnisse von Libets Experiment nicht eindeutig widerlegt sind.

Das Problem, was m.E. immer noch existiert, ist, dass geistige Aktivität und Gehirnaktivität weitestgehend gleichgesetzt werden. Das entspricht unserem Drang, unbedingt alles wissenschaftlich beweisen zu müssen. Um einen wissenschaftlichen Beweis zu führen, muss ich natürlich auf Untersuchungskriterien zurückgreifen, die jeder bewusst, sinnlich wahrnehmen kann, wie z.b. schriftlich dokumentierte Messergebnisse (EEG, fMRT).
Daraus ergibt sich folgende Frage: Kann der Mensch in der heutigen Zeit überhaupt einen objektiven wissenschaftlichen Beweis erbringen?
Ich behaupte Nein, denn bei der Erbringung eines wissenschaftlichen Beweises untersucht man, ganz abstrakt, ein System. Ein System besteht aus Variablen. Die Anzahl der Varianblen bestimmt die Komplexität des Systems. Die Interaktion der Variablen untereinander bestimmt die Dynamik des Systems. Um nun einen objektivierbaren wissenschaftlichen Beweis für etwas zu erbringen, muss man sich in einem geschlossenen System befinden, in dem man alle Variablen und deren wechselseitige Beziehung zueinander kennt. Und das ist nicht möglich.

Verbinden wir nun diese Ergebnisse mit der Hypnose(therapie) bzw. generell mit Verfahren, welche sich mit der Nutzung unbewusster geistiger Fähigkeiten beschäftigen, so können wir aus Erfahrung sagen, dass jeder Mensch geistige Fähigkeiten besitzt, die weit über das hinausgehen, was er mit seinem Willen, d.h. mit dem logischen, rationalen Verstand, tun kann. Was die Anwendung von Hypnose betrifft, wissen wir dies im Übrigen bereits seit über 4000 Jahren.
Jeder trägt Verantwortung für das, was er sagt, denkt oder tut, also auch dafür, welche geistigen Fähigkeiten er benutzt.
Fragen Sie sich selbst: „Ist nicht die Zeit gekommen, mein unbewusstes geistiges Potential zu nutzen, auch wenn es keinen abschließenden wissenschaftlichen Beweis für die Existenz dieses Potentials gibt?“

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